Die Geschichte des Hauses Uhl: Wie aus einem vornehmen Wohnhaus ein Heim für die Kultur Göllheims wurde

Er war ein großer Landwirt, dieser Wilhelm Uhl. 1852 in Göllheim geboren, betrieb er sein Gut im nahen Elbisheimerhof. Mit erwirtschaftetem Reichtum und einer großen Erbschaft von seinen New Yorker Verwandten erbaute er in der „Göllheimer Vorstadt“ vor dem Kerzenheimer Tor ein großes Gutshaus. Nach Fertigstellung siedelte er 1898 mit seiner Frau Babette sowie seinen fünf Kindern nach Göllheim um und bewohnte das vornehme Gutshaus in der heutigen Hauptstraße 7. Von 1904 bis 1920 war Wilhelm Uhl sechzehn Jahre lang Bürgermeister. Aufgrund seiner Verdienste wurde er zum königlich-bayerischen Ökonomierat ernannt.

Das Gutshaus gehört neben dem Haus Groß zu den eindrucksvollsten Häusern Göllheims. Die prächtige zweigeschossige Sandsteinfassade wird auf der linken Seite von einer großen Toreinfahrt und auf der rechten Frontseite von einem ausgeformten Erker über beide Stockwerke hinweg bis ins Dachgeschoss hinauf unterbrochen. Auffällig sind die vier Hermenpilaster, deren Köpfe und Schultern ursprünglich einen Balkon trugen.06

Das Gutshaus übernahm – aus heutiger Sicht ein Glücksfall – die Gemeinde Göllheim, nutzte es als Wohnhaus um und vermietete es an mehrere Familien.

Mit zunehmendem Wohlstand und einer neuen Hinwendung zur eigenen Geschichte gelang es dem vorausblickenden damaligen Bürgermeister Hans Appel, den Gemeinderat davon zu überzeugen, dieses historisch wertvolle Gebäude zu einem kulturellen „Aushängeschild“ der Gemeinde zu machen.

Das Museum wird in Erinnerung an den Bauherrn „Uhl´sches Haus“ genannt. Es ist ein Ort für vielfältige Veranstaltungen, Vereinstreffen, Ausstellungen, Vorträge, Seniorenkaffees und vieles mehr entstanden. Doch vor allem ist es ein Museum mit der Leitidee: „Sammeln – forschen – zugänglich machen!“

Immer war das Uhl´sche Haus die Wirkungsstätte engagierter Bürger, zunächst der Mannschaft um Dieter Wevers, dann des Kulturkreises, ab 2005 des Kulturvereins Göllheim unter der Leitung von Hans Appel. Der Wunsch nach einer weiteren Neugestaltung war groß, doch die finanzielle Seite stand dem wie eine unüberwindbare Hürde entgegen. Es war ein großer Glücksfall, dass der 2009 gewählte Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller in dieser Hinsicht ebenso begeistert war wie die Kulturvereinsvorsitzende Doris Bugiel und die Mitglieder des Vereins. 2014 begannen Dieter Hartmüller und Doris Bugiel gemeinsam mit Regina Hauber und Wolfgang Knapp mit den Planungen und Vorbereitungen, tatkräftig unterstützt vom Kulturvereinsvorstand. Schließlich wurde das gesamte Inventar wochenlang von den Kulturvereinsmitgliedern ausgeräumt, fotografiert, inventarisiert und sicher verpackt, um nach der Neugestaltung wieder in guten Zustand präsentiert werden zu können.

Moderne Medien und museumspädagogische Gestaltungen lassen nun die Erkundung der Sammlungen zum kleinen Erlebnis werden, wie die von Jürgen de Fries und Kurt Lahr akribisch recherchierte Dokumentation über Familie Uhl und die Architektur des Hauses, die als neuer Ausstellungsteil im prächtigen Empfangssaal ihren Platz fand. Neu ist auch die Verbindung der interaktiven Präsentation des Tertiärparks „Dachsberg“ mit der Firmengeschichte der Firma Dyckerhoff. Die Exponate der Frühgeschichte (Merowinger und Römer) werden nun in ungewöhnlich gestalteten Vitrinen präsentiert.

Highlight und Mittelpunkt der Sammlungen ist nach wie vor die Dokumentation der Schlacht am Hasenbühl 1298. Als zentrales Element blieb das große Diorama erhalten. Es wurde mit einer „Erzählstation“ und besonderen Lichteffekten versehen, so dass der Besucher nun die Phasen der Schlacht in seiner Vorstellung aufleben lassen kann.

Neu ist auch ein „Zeitstrahl“ im ersten Stock, der die Geschichte Göllheims von Anbeginn zeigt. Das Museum ist medial vielfältig aufgebaut und selbsterklärend.

Die Neueröffnung am 15. Dezember 2015 erfüllte alle Beteiligten mit großem Stolz. Die Leistung der Architektin und ihres Teams erweist sich seitdem in der täglichen Praxis als äußerst gelungen.

Zusammen mit der Bücherei, der Kunstscheune und der Kleinen Galerie im Kerzenheimer Tor bildet das Uhl’sche Haus das neue Kulturkarree Göllheim, in dem sich das kulturelle Leben weiter entfaltet und das für die Göllheimer Bürger ein Ort ihrer ganz besonderen geschichtlichen Identität werden wird. Wilhelm Uhl hätte dies sicherlich sehr gefallen…

Museum Uhl`sches Haus, Hauptstraße 7, 67307 Göllheim

Öffnungszeiten: sonntags 14.00-17.00 Uhr, dienstags und donnerstags 14.30 – 16.30 Uhr und nach Vereinbarung

http://www.museum-uhlsches-haus.de

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